Die Shadow Brokers haben die NSA gehackt

16. August 2016

Die Belege sind erdrückend: Einer Hackergruppe namens „The Shadow Brokers“ ist es gelungen, eine andere Hackergruppe, die dem US-Geheimdienst NSA zugeordnet wird, und die von Sicherheitsexperten als „Equation Group“ bezeichnet wird, zu hacken. Dabei haben sie streng geheime Angriffssoftware der NSA kopieren können, mit denen Firewalls und Router unter anderem von Cisco, Juniper und Fortinet überwunden werden können. Malware also, mit denen sich ganze Netzwerke infiltrieren lassen.
Einen Teil der erbeuteten Software haben die „Shadow Brokers“ einfach öffentlich ins Netz gestellt. Eine Datei hat den Codenamen „Extrabacon“ und mit ihr konnte der US-Geheimdienst unbemerkt bestimmte Firewalls des US-Herstellers Cisco hacken und so in fremde Netzwerke eindringen. Die hierbei genutzten sog. Zero-Day-Exploits – Ausnutzen einer entdeckten Sicherheitslücke im System bevor eine Sicherheitsmaßnahme ergriffen werden kann – sollten eigentlich nicht mehr möglich sein, da die NSA sich verpflichtet hatte, solche Sicherheitslücken bei US-Unternehmen i.d.R. sofort an die betreffenden Firmen weiterzuleiten, um diese schließen zu können. Das war hier offensichtlich seit drei Jahren nicht geschehen!

Die „Shadow Brokers“ kündigen an, die andere Hälfte der erbeuteten Software für 1 Million Bitcoins im Netz zu versteigern… Diese Aktion könnte aber auch eine ganz andere Stoßrichtung haben, wie sie Edward Snowden in 13 Tweets darstellt, die etwa so enden:

Ich vermute, hier geht es mehr um Diplomatie als um Geheimdienstinformationen, im Zusammenhang mit der Eskalation um den DNC-Hack. Indizienbeweise und Lebenserfahrung deuten auf russische Verantwortlichkeit.
Dieser Leak ist wahrscheinlich eine Warnung, dass jemand die US-Verantwortung für alle Angriffe, die von diesem Malware-Server ausgegangen sind, beweisen kann. Das könnte erhebliche außenpolitische Konsequenzen haben. Besonders wenn eine dieser Operationen auf US-Verbündete gerichtet ist. Besonders wenn irgendeine dieser Operationen sich auf Wahlen bezog.

Dementsprechend könnte dies ein Versuch sein, Entscheidungsträger zu beeinflussen, die sich fragen, wie scharf man auf die DNC-Hacks reagieren sollte. Dieser Leak sieht so aus, als ob jemand eine Nachricht sendet, dass eine Eskalation im Spiel der Schuldzuweisungen schnell sehr unangenehm werden könnte.

Die Süddeutsche fasst zusammen:

Snowden schreibt, die Veröffentlichung des NSA-Materials solle die USA womöglich von allzu scharfen Reaktionen abhalten. "Zusammengefasst: Dieser Leak sieht so aus, als würde jemand eine Nachricht senden wollen, dass das 'Attribution Game' (also eindeutige Schuldzuweisungen für Cyber-Attacken) schnell schmutzig werden könnte."
Das deckt sich mit der Einschätzung von Bruce Schneier. Der Sicherheitsexperte schreibt, dass nur zwei Regierungen als Verantwortliche in Frage kämen: Russland und China. Er würde auf Russland setzen, und darauf, dass es eine Botschaft an die Obama-Regierung sei: "Bevor ihr auch nur darüber nachdenkt, uns für den DNC-Hack zu bestrafen, solltet ihr wissen, wo wir gewesen sind und was wir euch antun können."

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